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Keine Kritik - Firmen entdecken das Internet Drucken
Dienstag, 1. April 2008

Digitale Kritik unerwünscht? Freie Meinungsäußerung im Internet ist immer weniger eine Selbstverständlichkeit. Die geäußerten Meinungen können meist von jedermann eingesehen werden – beispielsweise Foreneinträge. Nun entdecken auch immer mehr Firmen das Internet in Bezug auf die Außenwirkung der eigenen Firma und greifen „korrigierend“ in die geäußerten Meinungen der potentiellen Kunden ein.


Beispiel Computerbase


Auf der Seite des großen deutschen Portals Computerbase wurde gerade eine interessante aber auch nachdenklich machende Kolumne zum Thema Forenrecht anhand von einem praktischen Beispiel veröffentlicht. Was war passiert? Ein Komplettsystemhersteller mahnte Computerbase anwaltlich ab bestimme Forenbeiträge wegen geschäftsschädigender Äußerungen seitens einiger Forenteilnehmer zu löschen. Details zum Inhalt der beanstandeten Beiträge werden in der Kolumne verständlicherweise nicht erläutert. So bleibt nur die Mutmaßung inwieweit es sich wirklich um geschäftsschädigende Äußerungen oder um gerechtfertigte Kritik im Sinne der freien Meinungsäußerung gehandelt hat.
 

Beispiel Firma Payback


In einem Blog wurde ein relativ kritischer Bericht über die Firma Payback geschrieben. Die behaupteten Tatsachen entsprachen weitestgehend den Tatsachen. Dennoch warf der Blogeintrag kein gutes Licht auf die Firma Payback. Der Beitrag wurde mittels Kommentarfunktion dann ausführlich von den interessierten Lesern diskutiert. Es dauerte nicht lang, bis sich eine Mitarbeiterin von Payback ins Geschehen mischte und Stellung zu der Kritik nahm. Dies geschah in einer unnatürlichen, sehr werblich geprägten Ausdrucksweise. Die Reaktionen auf diesen Eintrag waren alles andere als positiv.
 

Kritik ernst nehmen und nicht "löschen"


Dies sind nur zwei einzelne Beispiele für eine immer häufigere Tatsache. Firmen entdecken das Internet und die Macht der Information im Internet. Kritik ist natürlich niemals angenehm. Aber man sollte sie nicht falsch verstehen, sondern diese für sich produktiv nutzen. Warum teure Marktforschungen beauftragen, welche teilweise nur wenig repräsentativ sind? Warum nicht ein offenes Ohr für die Kritik der Kunden haben, die das Medium Internet für ihr Konsum Feedback  nutzen? Warum nicht öffentlich im Internet Stellung zu der geäußerten Kritik nehmen?
 

Internet - Chancen des Direktmarketings


Im Internet sammeln sich verschiedenste Interessengruppen meist in speziellen Foren oder Plattformen. Diese Angebote sind hoch spezialisiert. Die aktiven Mitglieder haben großes Interesse am jeweiligen Thema, sind potentielle Käufer. Es macht wenig Sinn durch eine Art „Zensur“ Meinungen zu unterbinden, die nicht in die gewünschte Außenwirkung passen. Vielmehr macht es Sinn das Potential von solch stark spezialisierten Foren oder Plattformen zu nutzen. Die jeweilige Firma bekommt völlig umsonst Rückmeldung für eigene Produkte, Informationen bezüglich der Kundenwünsche, Ideen zur Produktverbesserung. Die anwaltlich durchgesetzte Löschung von unangenehmen Äußerungen kann nur schädlich für die jeweilige Firma sein. Außerordentliche Fälle von extremer Rufschädigung sind natürlich ein Sonderfall. Nur kann nicht jede Kritik direkt ein Sonderfall werden.

Foren Betreiber in der Verantwortung


Natürlich gibt es in der Tat Rufschädigung, welche mit System betrieben wird. Foren werden hier und da von weitestgehend anonym auftretenden Usern ausgenutzt um bewusst falsche Darstellungen zu verbreiten.  In diesem Falle ist eine Löschung von Forenbeiträgen sicherlich nachvollziehbar. Aber wo ist die Grenze zwischen tatsachenorientierter Meinung und geschäftsschädigender Äußerung? Diesbezüglich gibt es, das verwundert wenig, keinerlei Rechtsorientierung und somit keine Rechtssicherheit. Die meisten Fälle sind Einzelfälle, welche ebenfalls individuell geprüft werden müssten. Nur welcher Foren Betreiber kann ernsthaft jeden beanstandeten Foreneintrag richterlich prüfen lassen? So wird den anwaltlichen Forderungen der Firmen meist Folge geleistet um größeren Schaden abzuwenden. Dies ist sicherlich nicht die Lösung für das grundsätzliche Problem. Denn immer mehr Firmen werden sich um Ihr positives Erscheinungsbild insbesondere im Internet interessieren. Schnellschüsse statt überlegter Reaktion auf unliebsame Forenbeiträge werden sicherlich zunehmen.
 

Verkannter Kunde, brachliegendes Potential


Es bleibt der Verdacht, dass das Internet von so mancher Firma noch nicht richtig „verstanden“ wird. Das enorme Potential des Internets im Hinblick auf Direkt- und Online Marketing wird von vielen Unternehmen möglicherweise sehr unterschätzt. Kurzfristiges Denken und überempfindliche Reaktionen in Sachen Kundenfeedback sind kontraproduktiv und entsprichen nicht dem erfolgreichen Direktmarketing. Firmen sollten lernen die Sprache der Kunden zu sprechen und zu verstehen. Der Kunde ist und bleibt König – und er vergisst nicht.
 
Kommentare
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Robin   ID:217.14.160.xxx 21-04-2010 12:42:36
Mich würde ja interessieren, wie CombuterBase dadrauf reagiert hat.
Weißt du da was zu, ob sie sofort das gemacht haben, was die Firma wollte oder nicht?

Es ist nähmlich schlimm wie immer mehr Internetportale oder sonstige aber auch Behörden etc. dem Wunsch von großen Firmen nach kommen, obwohl sie überhaupt nicht im Recht sind...

aktuellstes Beispiel: Die Deutsche Flugsicherung...Kaum sagt die Lufthansa etwas, schon wird das gemacht...
naja das ist wohl eher Offtopic :D

mfg: robin
Joomla Blog   ID:217.235.134.xxx 22-04-2010 11:45:22
So etwas passiert mittlerweile regelmäßig. Abmahnung verschicken, wenn etwas inhaltlich nicht zum Firmenmarketing passt. Und natürlich: die Chancen stehen meist gut, denn der Webseitenbetreiber hat nur selten die finanziellen Mittel sich per Anwalt vertreten zu lassen. Der mächtigere gewinnt - egal ob zu Recht oder nicht. Wobei es nicht immer zu Verurteilungen kommen muss - ein Vergleich führt ebenso zum Ziel: Der Content kommt weg, der Contentersteller zahlt noch ein paar 100 EUR und wird wohl nie wieder kritisch berichten. Diese Entwicklung wird sich bestimmt verstärken. Zumindest so lange, bis Blogs professioneller und kommerzieller werden. Denn ohne Moos nix los :)
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